Die Rieslingrebe ist Königin der Rebsorten. Sie nimmt die zweitgrößte Anbaufläche in Deutschland ein. Umgekehrt zu dieser Größenordnung fällt die Größe der Rieslingbeere eher klein aus. Die Rieslingbeeren sind unscheinbar und kleinwüchsig. Doch dieser Anschein täuscht. Weinkenner sprechen allgemein von der “edelsten Keltertraube der Welt” und von den “kostbarsten und unbestritten besten Weißweinen”. Traditionell wird der Riesling im Rheingau, an Mosel-Saar-Ruwer, Nahe, Ahr und Mittelrhein angebaut. Er findet sich aber auch im badischen Ortenau, wo er unter dem Namen Klingelberger bekannt ist. Nichts zu tun hat der Riesling mit einigen anderen Rebsorten, die seinen Namen lediglich benutzen. So ist der Welschriesling in Ungarn, Serbien und Italien bekannt. Der Schwarzriesling ist ein Pinot in Württemberg. Lediglich der Rieslaner kommt da noch in Betracht, da er eine Kreuzung aus Riesling und Silvaner vor allem in Franken repräsentiert.
Die Grundlage des Rieslingweines ist im wahrsten Sinne des Wortes der Schieferboden vor allem an Mosel, Rhein und Ahr. Diese Regionen liegen im Bereich des Rheinischen Schiefergebirges. Schieferböden speichern in besonderem Maße die Feuchtigkeit aber auch die Wärme der Sonnenstrahlen. Diese Böden liefern kernige, würzige, spritzige und fruchtige Weine, für die der Mosel-Riesling ein repräsentatives Beispiel ist. Sandböden hingegen haben diese Eigenschaften nicht, sie speichern vor allem kaum Wasser, so dass ein wesentlicher Bestandteil zur Bildung der typischen Säure des Rieslings fehlt. Es ist nachvollziehbar, wenn diese Qualität auch ihren Preis hat. Allein die Bearbeitung vieler Weinlagen, in denen der Riesling an Rhein, Mosel, Saar oder Ahr angebaut wird, erfordert einen ungeheuer aufwendigen Einsatz von Maschinen und Handarbeit. Die Weinbauern müssen an steilen Hängen arbeiten, in die im Sommer die Sonne brennt und können, da sie oft auf Zugwinden angewiesen sind, nur Rebengang für Rebengang geduldig abarbeiten. Wer diese Arbeit schon bewundert hat, weiß den Riesling besonders zu schätzen, da er den Aufwand von der Rebe bis zum Wein im Weinglas nachfühlen kann.
Wer tiefer in die Vielfalt des Rieslingweines eintauchen möchte, kann sich, beginnend bei Wiesbaden-Kostheim, auf die Riesling-Route entlang des Rheines begeben, die zu den schönsten Autowanderstraßen Deutschlands gehört. Irgendwann landet er vielleicht in der früheren Weinhandelsmetropole Bacharach, wo es in einem alten Trinklied von 1628 heißt: “Zu Bacharach am Rhein, … soll`n sein die besten Wein.” Nicht zuletzt repräsentiert der Rieslingwein Deutschland in der ganzen Welt und ist mithin Ursache für den alljährlichen Besuch vieler Tausend Touristen vor allem an Rhein und Mosel.